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Von der Grenze Honduras nach San Jorge
Montag, 18. Januar 2010

Der Grenzübertritt von El Salvador nach Honduras erfolgt problemlos und wie üblich warten schon wieder dutzende Geldwechsler die einem mit ihren Geldbündeln zuwinken. Weil diese einem in der Regel nicht gerade einen fairen Kurs anbieten, ignoriere ich sie und fahre weiter. Eine Entscheidung, für die ich mich später noch verfluchen werde.

Schon nach wenigen Metern nach der Grenze sehe ich eine Bank, doch leider wechseln Banken hier kein Geld und einen Geldautomaten gibt’s auch nicht. Ich fahre weiter ins nächste Städtchen und der Hunger wird langsam grösser, aber ohne Lempira gibt’s auch nichts zu beissen. Es gibt 3 Geldautomaten, doch keiner von denen findet meine Bankkarte sympathisch und so versuche ich US-Dollar zu wechseln. Doch in diesem Land scheint das nicht zum Geschäftsbereich einer Bank zu gehören und nach langer Suche finde ich einen Supermarkt, wo man mir gnädigerweise 20 USD wechselt und ich endlich etwas zu essen kaufen kann.

Meine Strecke durch Honduras beschränkt sich auf die Hauptstrasse entlang der Pazifikküste und führt mich an keinen nennenswerten Sehenswürdigkeiten vorbei. Die Leute in Honduras sind anders als in El Salvador, viel extrovertierter und alle Kinder schreien mir Gringo nach. In Choluteca verbringe ich meine einzige Nacht in Honduras und die belebte Stadt überrascht mich positiv. Doch schon kurz nach Einbruch der Dunkelheit, werden hier anscheinend die Gehsteige hochgeklappt und die belebte Stadt wirkt plötzlich wie ausgestorben. Am nächsten Tag fahre ich zur Grenze nach Nicaragua und das Ein- und Ausreisen wird schon fast zur Routine.

In Nicaragua fallen als erstes die Velotaxis auf, welche überall das Strassenbild prägen. Die Strassen sind gut, es ist flach und immer wieder gibt es Vulkane zu sehen. Der beeindruckenste ist der Volcan San Cristobal, aus dessen Spitze Rauch aufsteigt und der eine wunderschöne Konusform besitzt. Die Strasse führt rings um den Vulkan herum und so kann man den Berg von fast jeder Seite betrachten. In der Kolonialstadt Leon gibt es wieder mal ein richtiges Backpackerhostal und es ist jede Menge los. Die Stadt ist schön, auch wenn die Gebäude nicht so gründlich renoviert wurden, wie in anderen Kolonialstädten.

Nicaragua ist seit langem ein Land, wo es wirklich flache Abschnitte gibt, aber leider bläst ein konstanter Wind entgegen meiner Fahrtrichtung und wird auch hier das Velofahren nicht gerade ein Zuckerschlecken. Vorbei an der Laguna de Managua komme ich in die Hauptstadt Managua, welche zwar riesig ist, aber eine der seltsamsten Städte ist, die ich je gesehen habe. Ein richtiges Zentrum gibt es nicht, und das alte Zentrum, welches durch ein Erdbeben zerstört wurde, wirkt wie ausgestorben und es gibt kaum bewohnte Häuser. Dafür ein riesiges Slumquartier mit Häusern aus Holz und Kunststofffolien.

Am nächsten Tag radle ich dann ins nahe gelegene Granada und dies ist gerade das Gegenteil. Eine wunderschöne historische Stadt mit einer schönen Plaza und viel Charme. Es hat zwar viele Touristen und westliche Auswanderer, aber schön ist es trotzdem.

Um zur Isla de Ometepe zu gelangen muss ich zuerst 70 km südlich nach San Jorge fahren und dort auf die Fähre verladen. Die Isla de Ometepe sieht aus wie aus einer Märchenlandschaft mit zwei riesigen Vulkanen, die an der Spitze in Wolken gehüllt sind. Angekommen auf der Insel, strample ich auf der einzigen befestigen Strasse, bis zum Strand in Charo Verde, wo ich ein kleines Hostal mit einem günstigen Bett im Schlafsaal finde. Ich und ein Österreicher sind die einzigen Gäste und ich geniesse die Ruhe und Abgeschiedenheit auf der Insel. Als ich abends im Restaurant mein Tagebuch schreibe, fällt plötzlich eine Schlange auf den Nachbarstisch, welche gerade einen Gecko geschnappt hat und dadurch das Gleichgewicht verloren hat. Friedlich verzerrt sie diesen, bevor sie sich dann in die Dunkelheit davonschlängelt. Auf jeden Fall bin ich froh, dass sie sich für den Nachbartisch entschieden hat.

Dreimal die Woche fährt vom anderen Ende der Insel eine Fähre nach San Carlos am südlichen Ende des Lago de Nicaragua und weil es gerade zeitlich passt, lasse ich mich auf dieses 12-stündige Abenteuer ein. Auf dem Weg ans andere Ende der Insel treffe ich noch ein amerikanisches Pärchen auf dem Fahrrad, welches unterwegs von San Francisco nach Panama ist. Allerdings sind sie von San Diego nach Cancun geflogen, weil ihnen Mexico zu gefährlich war. Unglaublich!

Die Fähre soll um ca. 18 Uhr fahren und damit sicher alles klappt, bin ich bereits um 15 Uhr vor Ort. Der Hafen befindet sich am Ende einer Holperstrasse ca. 2 km ausserhalb von Altagracia. Gegen Abend füllt sich langsam das Hafenareal und es treffen immer mehr Einheimische und Touristen ein. Und das Verladen eines Fahrrades wird wieder mal kompliziert. Zuerst muss ich ein Ticket für mich lösen und anschliessend noch einen Frachtschein für das Fahrrad. Weil es 4 Taschen sind, soll ich für jedes Gepäckstück extra bezahlen. Als ich nach einer 15-minütigen Debatte nach einem grossen Sack frage, in dem ich all meine Taschen verpacken kann, willigt der Beamte schliesslich ein, mir nur 1 Tasche zu verrechnen.

Pünktlich und nach Einbruch der Dunkelheit kommt das Fährschiff an, welches nebst Passagieren auch noch tonnenweise Bananen und andere Fracht transportiert. Prinzessin Lillifee steckt schlussendlich inmitten eines riesigen Bananenberges. Ich rolle irgendwo am Boden meine Matte aus und versuche so gut als möglich zu schlafen. Am Morgen treffen wir gegen 6 Uhr in San Jorge ein und dort bekomme ich, nach dem alle Bananen ausgeladen sind, gegen den Frachtschein mein Fahrrad und meine Taschen zurück. Ich staune nicht schlecht, als neben mir gegen einen Abgabebon Pistolen und Macheten ausgehändigt werden. Weil auf der Überfahrt Waffen verboten sind, wurden diese sicher vom Kapitän unter Verschluss gehalten.

San Jorge ist ein lebendiges Hafenstädtchen, das allerdings wenig Charme versprüht. Der Geldautomat rettet mich vor einem Liquiditätsproblem und ich kann mir danach ein wieder ein ausgiebiges Frühstück leisten. Es gibt Bohnen und Reis, bevor es dann weiter geht zur Grenze nach Costa Rica.